6. Juli 2008

Hancock

Category: Film — Dennis @ 17:00

Hancock John Hancock ist ein Arschloch wie es im Buche steht. Er säuft, schläft auf Parkbänken, pöbelt Andere an und ist nicht gerade jemand, über dessen Anwesenheit man sich besonders freut.
Er ist aber auch ein Superheld und das macht die Sache dann doch etwas komplizierter…

Will Smith ist ja mittlerweile ein Hit-Garant. Seit Independence Day und kürzlich I am Legend füllen sich die Kinokassen ja wie Onkel Dagoberts Geldspeicher. Zusätzlich geht es hier um Superhelden und abgesehen vielleicht von Daredevil kann man damit ja finanziell gesehen nicht viel falsch machen. Aber hält die Kombination was sie verspricht? Teilweise.

Viele Szenen hat man schon in den diversen Trailern zu Hancock gesehen: Hancock, der ein Auto auf ein Hausdach wirft, Hancock, der à la Shrek 3 einen Wal auf ein Boot wirft und so weiter. In den ersten drei Vierteln des Films gibt es davon noch so einiges mehr und hier macht der Film irgendwie auch richtig Laune. Um einen Kollegen zu zitieren: “Endlich mal ein Superheld, der nicht wie Superman die Hand in die Luft streckt und losfliegt.” Hancock ist glaubhafter, echter als viele der Saubermänner mit Superkräften, die sich so auf der Leinwand tummeln.

Das letzte Viertel des Films ist dann von der Stimmung her ein gewaltiger Bruch, führt aber die Geschichte konsequent zu Ende. Das lustige PG-13-Rating wegen “some intense sequences of sci-fi action and violence, and language” ist dann besonders wegen der violence gegen Ende vielleicht etwas optimistisch. Das Ende ist dann kein richtiges Happy End, kein richtiger Cliffhanger für einen zweiten Teil, aber auch gar nicht so übel.

So, genug der Lobhudelei: Auf zu den negativen Seiten.

Will Smith als Hancock ist großartig, Jason Bateman als sein PR-Berater ist gut, Charlize Theron als des Beraters Eheweib mit mysteriöser Vergangenheit ist bestenfalls blass, schlimmstenfalls langweilig. Die Special Effects sind zwar ganz nett, aber irgendwie auch nicht so wirklich überzeugend. Natürlich ist Hancock ganz supertoll stark, aber man hat einfach das Gefühl, dass er hier Plastikbröckchen statt Zügen, Autos oder Backsteinen durch die Gegend wirft.

Dann ist da die Geschichte: Ganz schön tragisch wird’s gegen Ende, aber der Zuschauer erfährt leider nicht, warum. Ein bisschen mehr Hintergrund, ein bisschen mehr reasoning hinter dem fast griechisch-tragödisch anmutenden Ende wäre dann doch schön gewesen und hätte dem Ganzen noch mehr Tiefe verliehen.

Anyway, Hancock ist großes, unterhaltsames Popcorn-Kino. Wer genug von Saubermann-Supermännern hat, sollte Hancock durchaus einmal eine Chance geben. Allein Will Smiths Sprüche sind beinahe die Kinokarte (zumindest im Parkett) wert. Viel mehr Tiefgang darf man aber leider nicht erwarten.

Drei Nudelhölzer (übrigens einer der grandiosen Gags des Films!) für Hancock.

Dennis

Links zum Beitrag:
Hancock bei imdb
Will Smith, der Hit-Gigant
Independence Day bei imdb
Wer immer sehen wollte, wie man mit einem alten Apple-Laptop ein außerirdisches Raumschiff hackt…

3 Comments

  1. Größtenteils stimme ich Dennis’ Rezension wohl zu; lediglich, was das Ende betrifft, bin ich gänzlich anderer Meinung.

    “grie­chisch-​tra­gö­disch”

    ist es eben leider nicht und in meinen Augen auch nicht sonderlich konsequent. Ob das allerdings eine Schwäche von Verfilmung oder Vorlage ist, vermag ich nicht zu sagen — das ist mir letztlich auch gleich.
    Wirklich mutig und für den Film vom Gesamtkonzept sehr vorteilhaft wäre es gewesen, die Geschichte nach einer einschlägigen Szene — ich will niemandem den Spaß am Film vermiesen — enden zu lassen. Das wäre dann zwar alles andere als klassisches Hollywood-Kino geworden, aber schlichtweg glaubhafter, passender und auch deutlich aussagekräftiger.

    Kommentar by Patrick — 20. Juli 2008 @ 1:31

  2. Das ist wohl wahr. Das “griechisch-tragödisch” bezog sich auch weniger auf das Ende als auf die Ausganssituation (Achtung. Spoiler) [spoiler]der beiden Superhelden, die sich gegenseitig schwächen, sobald sie sich nahe kommen[/spoiler]. Ich hatte auch eigentlich schon nach der [spoiler]Krankenhaus[/spoiler]szene auf ein unübliches Ende gehofft…

    Kommentar by Dennis — 22. Juli 2008 @ 17:42

  3. […] Leistung in Sieben Leben ist durchaus beachtlich. Neben Allround-Talent Will Smith, der nach Hancock nun wieder zusammen mit Gabriele Muccino, der schon bei Das Streben nach Glück Regie führte, ins […]

    Pingback by sneakcast.de » Sieben Leben (Seven Pounds) — 14. Januar 2009 @ 11:46

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