28. April 2008

Selbstgespräche

Category: Film,Sneak — Anne @ 20:55

Bei der letzten Sneak war ich sehr gespannt, weil der Film als “early early early Sneak” angekündigt worden war. Abgesehen von den überflüssigen Anglizismen (Warum kann man nicht einfach “früh” sagen?) erhöht so etwas natürlich enorm die Spannung und ist somit für die meisten Sneaker genau das Richtige.

Ehre, wem Ehre gebührt: Obwohl der Film schon Mitte Juli, also gar nicht mal so spät, anläuft, hatte ich vorher noch nie etwas davon gehört. Es geht um ein Callcenter, das geschlossen werden soll, wenn sich nicht die Quote verbessert. Im Mittelpunkt der Handlung stehen der Chef der Callcenter-Abteilung (August Zirner), sein bester Mitarbeiter Adrian, der zu schüchtern ist, um Frauen in die Augen zu sehen, (Johannes Allmayer) und der neue Mitarbeiter Sascha (Maximilian Brückner), der von einer Karriere beim Fernsehen träumt und für den der Callcenter-Job nur eine Notlösung ist. Während des Films entwickeln sich die Charaktere weiter, was interessant anzusehen ist.

Alles, was Recht ist, man merkt schon an dieser Beschreibung, dass die Bezeichnung “Komödie” auf den Film nicht passt. Als solcher wurde er nämlich sowohl von den Cineplex-Mitarbeitern in Münster als auch von dem Gesandten des Verleihs bezeichnet. Er war zwar an einigen Stellen lustig, aber für eine richtige Komödie fehlte es an einem Friede-Freude-Eierkuchen-Ende. In dem Film jagte nicht ein Gag den anderen, und man hatte auch nicht den Eindruck, dass dies so gewollt war. Man kann jetzt darüber streiten, was eine richtige Komödie ausmacht, doch mein Eindruck war jedenfalls, dass der Film keine ist. Das ist natürlich so subjektiv, wie Eindrücke immer zu sein pflegen, aber das gilt ja für die gesamte Rezension! Ich meine auch, es tut dem Film ganz gut, dass sich das Genre nicht eindeutig bestimmen lässt. Er ist fesselnd, und das ist die Hauptsache.

Es ist allerdings schade, dass der Callcenter-Stoff bereits in Outsourced behandelt wurde. Obwohl ich nicht weiß, welcher Film eher da war und wer die Idee zuerst hatte, wirkte Selbstgespräche auf mich deshalb nicht so originell, wie er es sonst vielleicht getan hätte. Vier von fünf Klapprädern der gehobenen Mittelklasse gibt es aber doch.

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MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (2 Stimme(n), durchschnittlich: 4,50 von 5)

Le scaphandre et le papillon

Category: Film — Patrick @ 6:27

Le scapahnde et le papillonVielleicht wundert sich ja wer darüber, dass ich aus den USA eine Rezension zu einem französischen Film schreibe und in der Überschrift nicht einmal dessen englischen/internationalen Titel erwähne, der da lautet The Diving Bell and the Butterfly. Der Grund ist einfach: Der Film wurde im französischen Original mit englischen Untertiteln gezeigt. Ja, ganz recht, in Kalifornien mitten in den USA kann man Filme in fremdländischer Originalfassung sehen. Man muss nur in die “richtigen” Kinos gehen, die sich ereifern echten Cineasten das beste der Szene anzubieten.

Jean-Dominique ‘Jean-Do’ Bauby war Chefredakteur der Modezeitschrift Elle und der Inbegriff des Lebemanns, bis ihn ein schwerer Schlaganfall vollständig lähmt und so zum Gefangenen im eigenen Körper macht. Geistig vollkommen auf der Höhe aber unfähig, mehr als sein linkes Augenlid zu bewegen, muss er lernen, sich durch Blinzeln zu verständigen, und einen Weg finden, mit seinem neuen Leben fertig zu werden. Wünscht er sich anfangs noch schlicht zu sterben, entdeckt er den Willen zum Leben wieder, als ihn ein alter Freund besucht, dem er einst seinen Platz in einem Flugzeug überlassen hatte, dessen Insassen entführt und vier Jahre in Beirut gefangen gehalten wurden. Mit gewaltiger Charakterstärke stellt er sich seiner neuen Situation und erkennt schließlich, dass Erinnerung und Vorstellungskraft ihm nie geahnte Möglichkeiten verschaffen. Blinzelnd diktiert er sogar seine lyrischen Memoiren, die schließlich als Buch veröffentlicht werden.

Gemessen an der Schwere dieser wahren Geschichte gelingt dem Film eine wundervoll leichte und dennoch tiefgehende Darstellung, die den Zuschauer in jeder ihrer 112 vorzüglich inszenierten Minuten fesselt. Den Anfang des Film erleben wir vollständig aus der Ich-Perspektive Jean-Dos. Das Bild ist verschwommen, folgt den Augenbewegungen und wird bei jedem blinzeln kurzzeitig schwarz. Dazu hören wir, was Jean-Do hört, überlagert von seiner inneren Stimme. Unmöglich uns diesen dichten, realistischen Bilder zu entziehen werden wir selbst zu Jean-Do und erleben zitternd am eigenen Leib, wie unser unbewegliches rechtes Auge zugenäht wird… Erst nach etlichen Filmminuten erhaschen wir in Form einer diffusen Reflexion den ersten flüchtigen Blick auf unser eigenes Antlitz. Bis wir uns das erste Mal tatsächlich selbst sehen, vergeht eine gute halbe Stunde. Von da an werden wir zum stillen Beobachter, der Jean-Do und seinem Leben von außen folgt, aber nach wie vor an seiner Gedankenwelt teilnimmt.

Immer wieder wird der Film von der wundervoll treffenden Metapher eines allseitig geschlossenen, metallenen Tauchanzuges und später des frei fliegenden Schmetterlings durchbrochen. Wahrhaft eindrücklich und bewegend. Dazu eine unglaublich stimmungsgeladene musikalische Begleitung von Bach bis zu modernem hard-rock.

Insgesamt ein echtes Meisterwerk: 1.

Patrick

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MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (1 Stimme(n), durchschnittlich: 5,00 von 5)
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22. April 2008

Lauf um dein Leben – Vom Junkie zum Ironman

Category: Film,Sneak — Dennis @ 22:14

Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman ist die wahre (oder zumindest von der Wahrheit inspirierte) Geschichte von Andreas Niedrig, der - wie der Titel bereits vermuten lässt - nach Jahren des Daseins als Drogensüchtiger mit viel Schweiß, Blut und Tränen auf den rechten Weg zurückgekehrt ist und schließlich als bester Einsteiger aller Zeiten am Ironman-Lauf auf Hawaii teilgenommen hat.
Das alles ist eine wirklich unglaubliche Geschichte, die Niedrig (übrigens laut der Wikipedia der Bruder der Niedrig aus der Sat.1-Pseudodoku Niedrig und Kuhnt) im gleichnamigen Buch erzählt und verarbeitet hat. Jetzt gibt es also den Film zum Ganzen.

Ich tue mich hier außergewöhnlich schwer mit einer gerechten Rezension, also machen wir das Ganze einmal ganz sachlich. Die Bilder sind für einen deutschen Film außergewöhnlich… groß. Im Über-über-über-breitbildformat sehen wir zu neunzig Prozent wirklich feine Aufnahmen mit schön viel Tiefenunschärfe, tollen Drehorten (mit einigen wirklich miesen Ausnahmen) und stimmiger Atmosphäre. Die Schauspieler, allen voran natürlich Max Riemelt als Andreas Niedrig, machen ihre Sache ziemlich gut und Axel Stein, bekannt aus allerlei Kino- und Fernsehgedöns überzeugt in einer zumindest partiell ernsthaften Rolle. Udo Schenks Trailerstimme, mit der er Andreas’ Vater, einen hochdekorierten Polizisten, spielt, ist mir in Verbindung mit seinem Ex-Marine-Gesichtsausdruck immer ein bisschen viel, aber… gut. Uwe Ochsenknecht schließlich als Trainer Oscar, der Andreas bei der Rückkehr zum Sport hilft, ist nicht halb so struppig wie sein Hund.

Hm, ich glaube, ich kann mich nicht länger drücken… Lauf um dein Leben macht irgendetwas falsch, aber ich kann beim besten Willen nicht genau sagen, was. Vielleicht ist es die Tatsache, dass so etwas als live erzählte Lebensgeschichte, ja, meinetwegen als Dokumentation im ZDF-Nachtprogramm glänzend funktioniert, auf der Kinoleinwand aber - zumindest bei mir - so überhaupt nicht. So mitreißend Andreas’ Geschichte eigentlich ist, so langweilig war mir im Kino. Ich wartete kontinuierlich auf sein nächstes Drogen-High und auf den nächsten Absturz, auf den nächsten Hoffnungsschimmer und den nächsten Holzhammer.

Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass der Film ein bisschen zu viel von allem hat. Zu viel Achtziger-Flair (ja, es sind die Achtziger, ich habe es verstanden, ohne dass ihr Robert Gwisdek mit einem Rubik’s Cube spielen lasst, danke sehr), zu viele Drogenszenen (ja, die vier Jungs sind drogensüchtig, ich habe es verstanden, ohne alle fünf Minuten eine neue Kiffer-, Pillen- oder Spritzenszene zu sehen) und auch einfach zu viel Max Riemelt…

Traurig aber wahr: Die Download für Lehrer-Option auf der offiziellen Filmseite wird wohl pädagogischer Wunschtraum bleiben, werden doch die Schüler, die zu Aufklärungszwecken mit diesem Film konfrontiert werden, sich über die lustigen Sprüche freuen, die Drogentrips mit Yo, cool wahrnehmen und den Rest geflissentlich ignorieren.

Ziel verfehlt. Zweieinhalb geklaute Fernseher aber trotzdem, allein aufgrund der Tatsache, dass an diesem schlechten Drehbuch wieder einmal die Realität mitgeschrieben hat.

Dennis

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MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (3 Stimme(n), durchschnittlich: 3,33 von 5)
21. April 2008

Die Geschwister Savage (The Savages)

Category: Film,Sneak — Anne @ 19:14

The SavagesWenn diese Rezension der Münsteraner Sneak vom 15.4. erst fast eine Woche später erscheint, so liegt das diesmal nicht an den terminlichen Schwierigkeiten, jedenfalls nicht ausschließlich. Ich hatte einfach die Hoffnung, dass ich innerhalb dieser Woche eine Eingebung bekomme, was ich denn eigentlich zu diesem Film schreiben möchte. Die Inspiration ist jedoch ausgeblieben, so dass dies hier vermutlich eine relativ trockene Kritik wird, vor allem im Vergleich zu Patricks begeistertem Bericht zu Control.

Die Story ist schnell erzählt: Lenny Savage leidet an Demens, so dass seine beiden Kinder Wendy und Jon sich um ihn kümmern müssen. Beide hatten seit Jahren keinen Kontakt zu ihrem Vater, bringen ihn aber jetzt in einem Altenpflegeheim in der Nähe ihrer Wohnorte unter. Während sie sich um Lenny kümmern, bekommen sie auch langsam ihr Leben in den Griff.

Oder so ist es zumindest geplant. Mein Eindruck war eher, dass der Film sich völlig vorhersehbar entlang schleppt, ohne dass groß etwas passiert. V.a. die Beziehung zu dem Vater ist mir ein Rätsel: obwohl er sie als Kinder mit seinen Launen tyrannisiert hat und sie keinen Kontakt hatten, scheinen Kinder und Vater sich ziemlich gut zu verstehen, sobald sie sich gezwungen sehen, Zeit miteinander zu verbringen. Zugegeben, keiner der Protagonisten war besonders glücklich, aber ob das als Verständnisgrundlage reicht?

Diejenigen, die bereits einen Trailer für diesen Film gesehen haben, werden ihn möglicherweise interessant gefunden haben, weil der Trailer stellenweise doch recht witzig war. Fallt nicht darauf ‘rein! Die Sprüche, die im Trailer gezeigt werden, machen bereits 90% des Wortwitzes im gesamten Film aus. Und das, obwohl ich die OF gesehen habe. Das war übrigens noch so eine Enttäuschung: da hatte ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um noch an Karten für die OF zu kommen, weil uns aus Versehen welche für die deutsche Fassung verkauft worden waren. Und dann kommt ein Film, den man getrost auch in Deutsch hätte sehen können. Der - meiner Ansicht nach - beste Wortwitz steckt bereits im Titel: “savage” heißt “wild, brutal” oder “Wilder”, was zumindest zu Lenny Savage passt. Allerdings soll der Film wohl auch eher ein Drama als eine Komödie sein…

Der Ehrlichkeit halber muss man dem Film allerdings zugestehen, dass er in keiner Weise kitschig ist. Es gibt keine rührende Versöhnung und auch keine wunderbare Romanze. Das ist immerhin auch schon etwas, aber nicht genug, um den Besuch dieses Films wirklich lohnend zumachen. Zwei von fünf Sternen gibt es trotzdem, weil an der schauspielerischen Leistung nichts auszusetzen ist. Und für jemanden, der das Portrait einer kaputten, unglücklichen Familie der amerikanischen Mittelklasse sehen will, die sich mit dem Tod auseinandersetzt, mag es ja wirklich etwas sein…

Anne

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MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (Noch keine Bewertungen)
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20. April 2008

Earth Day Festival in Isla Vista

Category: Kram,Musik — Patrick @ 23:35

I.V. Earth DayAm 19. April 2008 fand im Anisq’Oyo Park in Isla Vista anlässlich des Earth Days ein Festival statt, bei dem ich natürlich nicht fehlen durfte. Neben Flohmarktbuden gab es zahlreiche Infostände über Naturprodukte, Umweltschutz, Energiesparen und natürlich eine open-air Bühne mit musikalischem Programm.

Was mittags als gemütliche Veranstaltung begann, entwickelte sich zunehmend zu einem ausgelassenen Festival. Dicht an dicht saßen, standen, tanzten und frohlockten die Massen, unter denen eine beeindruckende Anzahl echter Hippies und Blumenkinder war. Tortilla-Fladen flogen wie Frisbees durch die Luft und verdunkelten zeitweise zu Hunderten den Himmel. Leicht bekleidete Menschen trugen Tabletts voller Erdbeeren mit Sahne durch die Menge und reichten einem die Köstlichkeit direkt in den Mund. Mitten in der rauschenden Ausgelassenheit saßen wir, mampften Tamales und lauschten den Klängen von der Bühne.

Zunächst verzauberte uns singer/songwriter Kina Grannis mit ihrer wundervollen Stimme, als sie begleitet von ihrer leider manchmal etwas holprig gespielten Akustikgitarre über die Liebe und das Leben sang. Phantastisch!

Die folgenden fünfzehnminütige Darbietung der Bauchtanzgruppe aus Isla Vista war dagegen absolut nicht der Rede wert.

Erst das Boombox Orchestra vermochte dem Publikum mit rockigen Funk-Klängen richtig einzuheizen. Zum rauchigen Sound von Mundharmonika, Saxophon und schwarzer blues-verdächtiger Kehle geriet die Menge in tanzende Ekstase und zelebrierte den wundervollen Flug unseres Raumschiffs Erde durch das kalte, tote Universum…

Danach konnte ich eine volksnahe Wahlkampfrede erleben, wie sie in Deutschland wohl undenkbar wäre. Während die nächste Band aufbaute, stand ein grauhariger Politiker auf der Bühne, der als Bezirksabgeordneter kandidiert und dessen Name mir schon wieder entfallen ist. In deutlichen Worten und unter tosendem Beifall der versammelten Menge pries er die Vorzüge des Cannabis-Konsums und versprach sich mit aller Kraft für dessen Legalisierung einzusetzen… Ich vermute, er hat an diesem Tag etliche Wähler gewonnen.

Schließlich war die politische Eskapade vorüber und Hoover Dan lieferte harten Rock mit deutlichen Punkeinflüssen. Nur zu Schade das ihr Auftritt genau in der heißesten Stunde des Tages lag, sodass der musikalische Genuss durch das Brutzeln des eigenen Hirns überschattet wurde…

Für die Rettung unserer Erde — denn wir haben nur diese eine!

Patrick

19. April 2008

Control

Category: Film,Musik — Patrick @ 7:27

ControlDer Film Control zeigt als Verfilmung von Deborah Curtis’ Buch “Touching From A Distance” die Biographie von Ian Curtis, dem Sänger der Band Joy Devision. Was den Inhalt betrifft, ist damit auch schon alles gesagt: es geht um die Entwicklung Ians vom Schuljungen und David-Bowie-Fan zum berühmten Musiker, Ehemann, Vater und Liebhaber… Hin und her gerissen zwischen zwei Frauen, überfordert von der Vaterschaft und gezeichnet von epileptischen Anfällen kann er seines Schicksals Last bald schon nicht mehr ertragen.

Lasst mich Euch sagen, dieser Film ist ein absolutes Meisterwerk!
Verglichen hiermit ist Walk the Line nichts, aber auch gar nichts.

Komplett in scharz-weiß erzeugt Control von der ersten Sekunde an eine abstrakte und zugleich nostalgisch reale Stimmung. Diese wird vortrefflich von der virtuosen Kameraführung und Photographie unterstützt. Bis ins Detail perfekt komponierte Einstellungen mit meisterhafter Beherrschung von Geometrie und Tiefen(un)schärfe bieten einen wahren Augenschmaus. Es versteht sich von selbst, dass es für die (punktauglichen) Ohren auch entsprechend eindrucksvolle Beschallung gibt, wobei hier mal wieder die Kinolautsprecher den begrenzenden Faktor darstellen.

Auch im Hinblick auf Dramaturgie und Atmosphäre lässt der Film keinerlei Wünsche offen. Natürlich ist der Fortgang der Handlung vorgezeichnet und klar - insbesondere wenn man um Ian Curtis Biographie weiß. Trotzdem ist der Film ungemein dicht und einnehmden. Die wohldosierte Mischung aus lyrischem Seelenspiegel, hartem Punk und feinfühliger Charakterstudie in Kombination mit herausragendem Schauspiel der Hauptdarsteller fesselt den Zuschauer zwei Stunden vortrefflich auf einer emotionalen Achterbahn.

Ich habe selten einen solch meisterhaften Film gesehen und bin seit langem von keinem Film derart bewegt worden.
Aller erste Sahne: 1+.

Patrick

Deine Wertung zum Film/Buch/Ding:
MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (1 Stimme(n), durchschnittlich: 5,00 von 5)
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Control bei IMDb
Wikipedia-Artikel zu Ian Curtis
Walk the Line bei IMDb

Kettcar – Sylt

Category: Musik — Terje @ 1:03

Sylt

Gestern, am 18. April 2008, erschien nach 3 Jahren, einem Monat und elf Tagen das lang erwartete dritte Album “Sylt” der Band Kettcar vom Hamburger Independent-Label Grand Hotel van Cleef. Aus diesem Anlass habe ich mich entschlossen, das lange Schweigen zu brechen, und endlich mal wieder einen Beitrag zu der netten Internetseite Sneakcast.de zu leisten. Eins vorweg: Ich lese unglaublich viele Rezensionen zu den verschiedensten Alben. Ich hätte es mir einfach machen können, das Album eine Woche rotieren lassen können, um es dann in den Himmel zu loben. Weil es sich bei “Sylt” aber um ein besonderes Album handelt, habe ich mich dazu entschlossen, einen anderen Weg zu wählen.

Ich habe die Platte aufgelegt und während des ersten Anhörens (wirklich das Erste, versprochen) spontane Notizen zu den 12 Songs festgehalten. Diese spiegeln nicht meine entgültige Meinung über das Album wieder, doch sie vermitteln einen Eindruck, womit man es zu tun bekommt.

01. Graceland

Typischer Kettcar-Song und gleichzeitig die erste Single. Guter Einstieg in die neue Platte. Refrain mit Ecken und Kanten, wie von Kettcar gewohnt, zum Ende hin immer besser.

02. Nullsummenspiel

Witziges Intro, macht Lust auf mehr. Einer der schnelleren Songs, ähnlich wie “Ausgetrunken”, aber nicht ganz so fetziger Refrain. Hat das Potential zum “Grower”.
“Am Ende steht immer die Null.” Was das wohl heißen mag?

03. Am Tisch

Akustischer Song. Zur Hälfte von Marcus Wiebusch, zur Hälfte von Niels Frevert (Schönes neues Album!) gesungen. Typisch befindlichkeitsfixierter Kettcar-Text, von der äußerst nachdenklichen, selbstzweifelnden Seite. Klingt wie ein Stück neuentdeckte Melancholie. Als der Song am Mittwoch Abend aus Einslive im Plan B lief, hat er mich richtig ergriffen. Vor allem aber auch, weil ich vor gut drei Jahren in der selben Sendung (damals “Heimatkult”) das erste Mal einen Kettcar-Song gehört habe (“Anders als gedacht”). Ihr seht, da kommt viel zusammen.

04. Kein Aussen mehr

Treibendes Schlagzeug. Griffige Gitarre, klare Struktur. Sozusagen Kettcar-Kompakt. Trotzdem ist der Song zunächst schwer zugänglich, von Kettcar ist man häufige Wiederholungen nicht gewohnt. “Es gibt kein Aussen mehr, kein drinnen und draußen mehr.” Immer und immer wieder.

05. Wir müssen das nicht tun

Spannender Aufbau, viele Zäsuren. Wenn man durchsteigt, was Marcus eigentlich meint, ist es bestimmt ein toller Song, hier stößt der Versuch einer direkten Bewertung zum ersten Mal an seine Grenzen. Man muss das Album wohl öfter hören, damit es sich einem erschließt, obwohl ich nicht glaube, “Von Spatzen und Tauben…” vollständig begriffen zu haben.

06. Fake for real

Düstere Bilder bestimmen den Song. Hat einen bedrohlichen Charakter, auch von der Musik her. Mit der dunklen Seite von Kettcar muss man sich erst arrangieren, denn sie war noch nie so präsent wie hier. Zum Ende atmosphärischer Umschwung zum Akustischen.

07. Geringfügig, befristet, raus

Soll jetzt keine Abwertung darstellen, aber mit solchen Songs sichern sich Kettcar ihre Hörerschaft bei den Studenten (zu denen ich ja schließlich auch gehöre). Viele Trademarks der Band in knackig-charmanter Verpackung. Eine positive Nummer, die auf Anhieb heraussticht.

08. Agnostik für Anfänger

Völlig anderer Rhytmus als auf dem Rest der CD. Kein Refrain im eigentlichen Sinn, alles fließt in einander. Muss man wohl öfter hören.

09. Verraten

Erinnert zunächst an “Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern”. Doch der Schein trügt. Die Strophe wird von Piano und Schlagzeug sowie denzenter Gitarre getragen, dazu haucht Marcus die Worte zart ins Mikro. Später bricht der Song regelrecht aus. Gegen Ende vernehme ich zum ersten Mal Streicher, wunderschön aufgebauter Song, von dem ich mir den Text auf jeden Fall noch zu Gemüte führen muss.

10. Dunkel

Treibender Rhytmus, ganze Arbeit am Schlagzeug. Leichte Synthie-Spielereien, wie auch schon zuvor. Hätte theoretisch auch ein älterer Kettcar- oder später But Alive-Song sein können.

11. Würde

Hier nehmen sie zum ersten Mal die großen “Landungsbrücken raus”-Pose ein, die Ihnen so unglaublich gut steht. Der Refrain ist absolut mitreißend, direkt beim ersten Mal. Bei diesem Stück nehmen sie sich auch Zeit für instrumentale Ausschweifungen, von denen man auf einmal denkt, dass sie schon immer so ein wichtiger Bestandteil ihrer Musik waren (z.B. Intro von “Landungsbrücken”, Bridge von “Tränengas…”). Die Zeit, die sich Kettcar nehmen, um dieses Stück voll auszukosten entspricht demselben Gespür, dass sie zuletzt bei “Nacht” an den Tag gelegt haben.

12. Wir werden nie enttäuscht werden

Es folgt nach dem großen Aufbäumen der unweigerliche Rausschmeißer. Man lauscht gebannt den Lyrics und wartet, “bis es endlich losgeht”. Als es soweit ist kehren sie zu Ihren Punk-Wurzeln zurück und lassen es richtig krachen.

FAZIT: Es war auf jeden Fall ein interessantes Experiment. Ob sich “Sylt” von Kettcar für diese Art von Feedback eignet, sei dahingestellt. Fakt ist, dass ich mich während der 43 Minuten und 45 Sekunden kein Stück gelangweilt habe und ich somit aufatmen kann.

Kettcar haben ein neues Album. Punkt.
Und es ist gut. Ausrufezeichen!

16. April 2008

Faust – Der Tragödie erster Teil

Category: Kunst,Literatur — Patrick @ 7:24

Eugène Ferdinand Victor Delacroix: Studierzimmer, Faust alleinUnter Regie von Markus Kopf geben die städtischen Bühnen Münster Goethes Faust. Und schon vor der folgenden Rezension muss ich sagen: Wenn Ihr irgendwie die Möglichkeit habt, schaut ihn Euch an! Doch nun der Reihe nach:

Ostersonntag, der 23. März, war der erste Termin genau einen Monat nach der Premiere, für den es noch Karten gab, und der letzte, an dem ich noch in Münster/Deutschland war. Heute, fast einen Monat danach, habe ich die Inszenierung soweit verdaut (sofern man Faust als Normalsterblicher überhaupt verdauen kann) und obendrein noch ein paar Minuten Zeit für eine Rezension.

Da die städtischen Bühnen Münster praktisch ausnahmslos modern inszenieren, hat man sich bereits an ausgefallene Bühnenbilder gewöhnt. Trotzdem war die Verblüffung beim Betreten des Saals groß: Eine quadratische Bühne bedruckt mit Goethe-Zitaten inmitten des Saals und das Publikum diesseits und jenseits der Bühne. Außerdem eine Empore, auf der das Lippe-Saiten-Orchester unter Leitung von Tankred Schleinschock positioniert ist, und ein Laufsteg quer durch die Zuschauerplätze. Links und rechts der Bühne ausgedünnte Bestuhlung und Schauspieler statt Zuschauer. An den Wänden fünf Leinwände, auf die vor Beginn des Stücks Filmausschnitte projeziert werden.
Es lohnt sich, bereits einige Zeit vor Beginn des Stücks Platz zu nehmen, um sich diese Videos anzusehen. Passanten aus der münsteraner Fußgängerzone wurden zu Faust befragt oder mussten mit Doktorhut und Teufelshörnern auf dem Kopf Szenen aus Faust lesen - wahrlich ergetzend.

Das Stück beginnt schließlich, indem die Videoaufnahmen von farbenfrohen, psychedelischen Animationen abgelöst werden und Engel, die der Kinderchor des Paulinum stellt, auf den Rängen auftauchen. Mephisto (Johann Schibli) in trendiger Gothic-Gewandung auf der Bühne und Gott delokalisiert von wechselnden Chorknaben gesprochen werden auf den Leinwänden von einem visuellen Augenschmaus begleitet, der deutlich an Kubricks 2001 - Odyssee im Weltraum erinnert. Was unter weiterhin massiven Einsatz von Livemusik und Video (Martin Kemmer) folgt, ist Goethes Faust in einer sinnvoll gekürzten, erfrischend modernen Inszenierung.

Wolf-Dieter Kabler gibt den Faust als klassischen Gelehrten, bleibt dabei aber in meinen Augen hinter seinen Möglichkeiten als exzellenter Schauspieler zurück. Gerade in den Kernszenen Nacht (Fausts Streben), Studierzimmer (Teufelspakt), Wald und Höhle sowie Kerker nimmt man seinem Spiel die Größe und Schwere der Handlung schlicht nicht ab. Vielleicht können diese Szenen in ihrer gigantischen Tragweite per se nicht durch Schauspiel sondern nur durch die ureigene Kraft der Sprache, der Verse selbst transportiert werden. Das zurückhaltende Spiel ließe sich so zwar rechtfertigen, doch gereicht Kablers deutlich beschleunigtes Sprechtempo Goethes Wortgewalt leider nicht zur Ehre.

Johann Schibli geht dagegen in seiner Rolle als Mephisto perfekt auf. Der mit Inbrunst dargestellte hechelnde Pudel, dessen Zungenspiel ihn das gesamte Stück über begleitet, das Auftreten als fast schon sympathischer Rocker, die wirkungsvolle Obszönität und Lüsternheit, die nie plump wirkt, und das stete subtile Manipulieren machen Mephisto hier zu einer durch und durch glaubhaften Teufelsgestalt. Er ist wahrlich kein Satan, sondern tatsächlich der Verneiner, der Lügner, der subtile Teufel, dem man seine stete Bosheit kaum anmerkt, dem man verfällt ohne es zu merken.
Absolut treffend und unvergleichlich, wenn er vor der Valentinszene “Highway to Hell” von AC/DC singt.

Faust ohne Gretchen wäre nichts. Leider wird das in vielen Inszenierungen vergessen, wenn man dem Publikum ein flaches, charakterloses mehr oder weniger hübsches Mädchen vorsetzt, das stumpf seinen Text herbetet. Glücklicherweise ist das hier ganz anders: Tina Amon Amonson spielt das Gretchen alles ander als platt. Glaubhaft und ausdrucksstark vermittelt sie den Konflikt zwischen süßer Liebe und kirchlicher Tugend, der schließlich in Tragödie und Wahnsinn gipfelt. Schade nur, dass sie etwas zu viel singen muss. Ist die musikalische Interpretation des König-von-Thule-Liedes noch gelungen, so leiden doch andere Szenen darunter - vor allem Marthens Garten. Hier wäre der gesprochene Text deutlich wirkungsvoller.

Generell hinterlässt der stete Einsatz von Musik aber einen positiven Gesamteindruck. Die Gesangs- und Tanzeinlagen fügen sich (mit obiger Ausnahme) nahtlos in das Gesamtkonzept und lassen die Inszenierung keineswegs zu einem belanglosen Musical verkommen. Insbesondere die Szenen Osterspaziergang (folkloristisch, aufmunternd), Auerbachs Keller (fetzig, disko), Am Brunnen (erschütternd, eindrücklich) und Hexenküche (mystisch, ekstatisch) profitieren merklich von der Musik. Letztere Szene ist übrigens ein gar besonderes Spektakel mit Christiane Hagedorn als wahrhaft reizender Hexe.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Inszenierung sehr zu meiner Freude die Satanszene aus Goethes Paralipomenon P50 enthält. Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben, warum die Szene in Goethes finaler Fassung des Faust nicht enthalten ist. Leider erfährt sie nachwievor zu wenig Beachtung, insbesondere da sie in meinen Augen einen integralen Bestandsteil des Faust darstellt. Einerseits konkretisiert das Auftreten Satans die Definition von Mephisto und macht deutlich, dass Mephisto lediglich einen Teil des teuflischen verkörpert, nämlich das Verneinen, Leugnen und Verkehren. Satan dagegen ist die offenen Perversion, Gewalt und Schändung. Andererseits bietet die Satanszene als “Intermezzo in der Hölle” einen Kontrapunkt zum Prolog im Himmel und kompletiert so den metaphysischen Rahmen um das Schicksal des Menschen symbolisiert durch Faust.
Die Textfassung der Satanszene erscheint gemessen an der heute in den Medien üblichen Wortwahl und Ausdrucksweise fast schon lieblich. Dieser Eindruck relativiert sich jedoch, macht man sich erst die gesamte Tragweite der Szene deutlich. Die Inszenierung schöpft hier entsprechend aus dem Vollen: Die Videoleinwände zeigen den Text der Szene in einer sich überschlagenden Folge stroboskopartiger Blitze. Auf der Bühne feiern Hexen und Satansjünger einen ekstatischen Reigen, während der Herr der Finsternis seine Predikt hält und das Publikum blinkende Teufelshörner trägt. Aus dieser orgiastischen Anbetung fallen Faust und das Publikum unvermittelt in die finale Tragödie.

Alles in allem eine moderne und überzeugende Inszenierung, die ich Euch gerne empfehle. Manchem mag die Modernersierung sicher nicht gefallen, wird Goethe doch als eine der unverrückbaren Säulen der deutschen Literatur gehandelt und seine Texte als absolut angesehen. Hier muss ich mich man sich allerdings fragen, inwieweit dieser starre Absolutätsanspruch dem aufgeschlossenen Menschen Goethe gerecht wird.

Nächstes Jahr gibt es den zweiten Teil, den man eher selten auf der Bühne zu sehen bekommt. Ich bin gespannt.

Patrick

14. April 2008

Chiko

Category: Film,Sneak — Anne @ 19:58

Chiko
Ich gebe offen zu, ich hatte mich vor diesem Film gefürchtet. Die Ansage in der letzten Münsteraner Sneak (Outsourced) wies so deutlich auf Chiko hin (“deutscher Film”, “Slang”), dass Leute, die - wie ich - nicht eben scharf auf das Hamburger Drogenmilieu waren, nur hoffen konnten, es handele sich um einen zugegebenermaßen ziemlich lahmen Aprilscherz. Das war dann ja offensichtlich nicht der Fall, aber ganz so furchtbar, wie ich gedacht hatte, wurde es dann doch nicht. Insbesondere war der Slang doch eher komisch als nervig.

Zum Inhalt: Chiko - wie der Gute sich unter Missachtung der spanischen Schreibweise selbst nennt - ist ein kleines Licht in der Hamburger Drogenszene. Er scheint weder Job noch Ausbildung zu haben, genau wie sein bester Freund Tibet. Dabei bräuchten die beiden dringend Geld, um Tibets Mutter eine neue Niere zu kaufen. (Abgesehen davon, dass das natürlich illegal ist, frage ich mich auch, wie sie es praktisch anstellen wollen, an eine Niere zu kommen, die mit dem Gewebe der Mutter hinreichend gut übereinstimmt, aber das nur am Rande.) Jedenfalls möchte Chiko größer in das Drogengeschäft einsteigen und macht sich deshalb an Brownie ‘ran, der den Hamburger Drogenhandel kontrolliert. Doch das Drogenmilieu ist gefährlich…

Letzteres ist im Prinzip die einzige Aussage, die man diesem Film entnehmen kann, und ‘mal ehrlich: wer hat das nicht schon vorher gewusst? Nach Chiko geht man ratlos aus dem Kino und fragt sich, was einem dieser Film gebracht hat. Das Drogenmilieu ist aus den vielen ähnlichen Filmen hinlänglich bekannt, tiefschürfende Charakterentwicklung gab es nicht, und Auswege aus dem Drogensumpf und der Aussichtslosigkeit wurden erst Recht nicht aufgezeigt. Und obwohl der von den Protagonisten verwendete Slang durchaus komisch wirkte und für einige Lacher im Publikum sorgte, kann man Chiko auch nicht als Komödie bezeichnen. Nach dem Film weiß man: so nicht! Aber wie dann?

Fazit: Weder katastrophal noch irgendwie nützlich - ich habe ihm ursprünglich eine 3- gegeben, tendiere aber mittlerweile eher zu einem von fünf Blöcken Kokain.

Anne

Deine Wertung zum Film/Buch/Ding:
MiesNajaDurchschnittlichZiemlich gutGrandios! (2 Stimme(n), durchschnittlich: 4,50 von 5)
13. April 2008

Kino über den Wolken

Category: Film — Patrick @ 5:47

Sicher wird Euch schon aufgefallen sein, dass die münsteraner Sneak seit kurzem von Anne rezensiert wird. Der Grund dafür ist ausnahmsweise nicht meine Faulheit, sondern die Tatsache, dass ich zur Zeit im sonnigen Santa Barbara an der University of California mein Dasein friste. Doch auch hier gibt es Kinos (leider aber keine Sneak), sodass Ihr weder fürchten noch hoffen braucht, mich los zu sein…

Bevor aber die erste echte Rezension aus den Staaten kommt, gibt es noch Kommentare zu den beiden Filmen die ich im Flugzeug hochdroben über dem Atlantik gesehen habe:

I Am Legend:
In nicht allzu ferner Zukunft ist es Dr. Krippin gelungen, Masernviren gentechnisch so zu verändern, dass sie Krebs heilen können. Eigentlich eine wundervolle Sache, wäre da nicht der kleine Haken, dass das Virus noch etwas mehr tut. Es löscht binnen kurzer Zeit quasi die gesamte Menschheit aus. Die meisten der wenigen Überlebenden werden durch das Virus obendrein zu vampirartigen Dark Seekers: Animalische und grausige (leider auch grausig animierte) Wesen, die kein Licht vertragen und des Nachts Jagd auf die wenigen Menschen machen, die aus unbekannten Gründen gegen das Virus immun sind.
Robert Neville ist immun und der einzige Überlebende in New York. Als Soldat weiß er sich und seine Schäferhündin Sam mit Waffengewalt, Scheinwerfern und geschickter Planung in seinem hermetisch abgerigelten Haus am Leben zu halten, während er verzweifelt an einem Gegenmittel forscht…
Der Film ist durch und durch spannend bis zum genialen und wirklich passenden Schluss. Die Mischung aus actiongeladenen Auto- und Kampfszenen und melancholischer Selbstreflexion des letzten Überlebenden ist genau richtig. Außerdem überzeugt Will Smith (und sein tierischer Codarsteller) mit seiner charismatische, tiefgehenden Darstellung dieser ganz und gar nicht komischen Rolle. Obendrein bietet der Film noch eine ganze Menge genialer Sprüche: unvergleichlich die Virus-Highway-Analogie. Lediglich die triste Computeranimation der Dark Seeker muss man verschmerzen.
Alles in allem durchweg empfehlenswert: 2+.

P.S. I Love You:
Hollys Mann Gerry leidet an einem Hirntumor mit schlechter Progonose und das gemeinsame Eheglück endet schon bald mit Gerrys Tod. Dieser hat allerdings insofern vorgesorgt und über seinen Tod hinaus geplant, als er mehrere Briefe an Holly vorbereitet hat, um sie über den Verlust hinwegzutrösten. Beginend mit ihrem 30. Geburstag erhält sie auf verschiedensten Wegen Botschaften ihres verstorbenen Gatten, die allesamt mit P.S. I Love You enden und sie zurück zu einem glücklichen Leben führen sollen…
Der Film versteht es durchaus, die Ballance zwischen komischen und tragischen Elementen zu halten, sodass die Mundwinkel alle möglichen Stellungen zwischen herzliche lachend und tieftraurig einnehmen. Natürlich darf man bei der Geschichte keine unvorhergesehenen Wendungen oder Überraschungen erwarten; aber die braucht’s hier auch gar nicht.
Wirklich brauchbar: 3. Nehmt Taschentücher mit.

Patrick

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